Latexhandschuhe bestehen aus einem einzigen Stück. Sie besitzen keinerlei Nähte und entstehen durch kurzfristiges Eintauchen einer der Hand entsprechenden Form in Kautschukmilch, die dann auf dieser Form zu einem festen Film erstarrt. Der einzelne Handschuh wird in verschiedenen Fertigungsschritten weiter- und nachbearbeitet und steht entsprechend den Anforderungen in den verschiedensten Aufmachungen (z.B. gepudert oder nicht gepudert, steril oder unsteril) sowie in den unterschiedlichsten Größen zur Verfügung.
Tauchform
Die der Handform entsprechende Tauchform gibt es aus verschiedenen Materialien: bewährt haben sich Tauchformen aus Porzellan. Einige Formen sind glattflächig, andere dagegen profiliert, um eine bessere Griffigkeit der fertigen Handschuhe zu erreichen (sogenannte microtexturierte oder microgerauhte Handschuhoberflächen). Teilweise sind die Finger der Handschuhformen leicht gekrümmt, um der Arbeitshaltung der menschlichen Hand entgegenzukommen. Man spricht in diesem Fall von einer "anatomischen Form" der Handschuhe.
Aufbereitung der Latexmilch
Für die Herstellung von Latexprodukten, die im Tauchverfahren hergestellt werden, wird die Milch mit verschiedenen Zusätzen versehen, die notwendig sind, um aus der Latexmilch ein elastisches Gummi entstehen zu lassen. Es handelt sich hierbei vor allem um Schwefel, der die fadenförmigen Kautschukmoleküle miteinander vernetzt. Andere Zusätze wiederum schützen das Latexprodukt vor Oxidation oder beschleunigen die Vulkanisation.
Tauchverfahren
Wenn man die Handschuhform direkt in Latex taucht und nach wenigen Sekunden wieder herauszieht, erhält man auf der Form eine langsam erstarrende Haut, die jedoch von sehr ungleichmäßiger Dicke ist. Damit der Handschuh gleichmäßig dick produziert wird, werden die leicht vorgewärmten Handformen in spezielle Lösungen (z.B. Calciumcarbonat) getaucht und getrocknet. Dieses Salz bildet auf der Oberfläche der Form einen dünnen Überzug, der für die einheitliche Filmdicke des entstehenden Latexhandschuhs verantwortlich ist und dafür sorgt, dass sich später der fertige Handschuh leicht von der Form trennen lässt.
Nach dem Antrocknen der Vortauchlösung auf der Handschuhform wird diese in einen mit der Latexmischung gefüllten Behälter getaucht und wieder herausgezogen. Wichtig ist die Verweildauer im Latex, denn sie entscheidet über die Dicke der sich auf der Form ablagernden Kautschukschicht. Wesentlich ist ein langsames Herausziehen der Form aus dem Latexbad, damit überflüssige Latexreste tropfenfrei ablaufen können.
Die getrockneten Handschuhe durchlaufen beim weiteren Herstellungsprozess einen Tank mit heißem Wasser, um lösliche Reste, wie Netzmittel und Salze des Vortauchbades aus dem Latexfilm zu entfernen.
Vulkanisation
In diesem Stadium besteht der Handschuh aus plastischem Kautschuk, der durch Vulkanisation in elastisches Gummi umgewandelt werden muss. Durch die Vulkanisation werden dem Handschuh Festigkeit, Elastizität und dauerhafte Form verliehen. Hierzu durchlaufen die Handschuhformen eine Vulkanisationskammer, in der Temperaturen von weit mehr als 100 °C herrschen. Die Durchlauf- geschwindigkeit richtet sich nach der Dicke des Handschuhs und nach der verwendeten Latexmischung.
Handschuhe, die gepudert angeboten werden, werden nach der Hitzevulkanisation mit Puder besprüht oder durch eine Pudersuspension geführt.
Vor dem Vulkanisationsprozess können Latexhandschuhe mit einem Polymer versehen werden, das sich beim Vulkanisationsvorgang fest mit dem Latexfilm verbindet; solche innenbeschichteten Handschuhe verringern den direkten Kontakt des Latex mit der Handfläche und erleichtern das Anziehen.
Nach dem Abstreifen von den Formen werden ungepuderte Handschuhe mehrfach gewaschen und getrocknet. Ziel dieser Waschvorgänge ist, den Anteil der oberflächlichen, eventuell Irritationen oder Allergien verursachenden Substanzen zu minimieren.
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