Die Soforttyp-Allergie auf Naturlatex erlangt, insbesondere bei medizinischem Personal als berufsbedingte Hauter-krankung, zunehmend Bedeutung.
So sind nach neuen Screeningunter- suchungen bis zu 17% der in medi- zinischen Berufen Beschäftigten betroffen, sowie 2,3% der Allgemein- bevölkerung.
Neben dieser hohen Prävalenz der Latexallergie ist weiterhin die Zunahme von schweren, generalisierten Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock mit Todesfolge besorgniserregend. Durch den konsequenten Einsatz von proteinarmen puderfreien OP- und Untersuchungshandschuhen ging die Anzahl der als Berufskrankheit anerkannten Fälle jedoch deutlich zurück.
Formen der Latexallergie
Klinisch manifestiert sich die Latexallergie in unterschiedlichen Formen, die abhängig sind vom Weg der Allergenaufnahme. Zum einen zeigen sich Soforttyp-Allergien (Typ I), die durch Proteine des Naturlatex hervorgerufen werden und sich mit Kontakturtikaria bis hin zum anaphylaktischen Schock bemerkbar machen. Demgegenüber stehen Kontaktallergien (Typ IV), die in der Mehrzahl durch Gummichemikalien (insbesondere Akzeleratoren und Antioxidantien) ausgelöst werden.
Das Kontakturtikaria-Syndrom entsteht durch dermale Allergenaufnahme über direkten Hautkontakt mit latexhaltigen Gegenständen (z. B. Tragen von Latexhandschuhen) und durch Schleimhautkontakt (z. B. bei Operationen). Das Kontakturtikaria-Syndrom wird in vier Stadien eingeteilt. Die Kontakturtikaria nach dem Tragen von Latexhandschuhen äußert sich durch ein etwa 10 bis 30 Minuten nach dem Allergenkontakt auftretendes Erythem mit Quaddeln unter Bevorzugung von Fingerknöcheln und Handgelenken.
Die inhalative Latexallergie wird durch Einatmen von Latexproteinen ausgelöst, die z. B. an Hand- schuhpuderteilchen gebunden sind und in die Raumluft abgegeben werden. So gelangen die Latexallergene auf aerogenem Weg an die Schleimhäute von Augen, Nase und Bronchien, ohne dass zuvor ein unmittelbarer Hautkontakt zu latexhaltigen Gegenständen vorausgegangen ist.
Charakteristisch ist etwa das Auftreten von Schleimhautsymptomen („Nasenlaufen", „Augenjucken") bei medizinischem Personal während der Arbeitszeit, da Raumluft im Krankenhausbereich üblicherweise hohe Konzentrationen an Latexproteinen enthält. Neben Rhinokonjunktivitis reichen die Symptome der inhalativen Latexallergie über Urtikaria (insbesondere im Gesicht und am Hals), Quincke-Ödeme und Asthma bis hin zum anaphylaktischen Schock.
Eine weitere Möglichkeit der Allergenaufnahme ist der parenterale Weg durch Verwendung latexhaltiger Infusionssysteme, wobei das Allergen direkt in die Blutbahn des betroffenen Patienten gelangt und zu generalisierten Reaktionen führen kann.
Diagnostisches Vorgehen
Zur Diagnose einer Latexallergie werden neben der Anamnese Hauttestungen, serologischer Untersuchungen und Provokationstestungen durchgeführt. In der Anamnese sollten prädisponierende Faktoren (Atopie, Beruf, vorausgegangene medizinische Eingriffe etc.) erfragt und Hinweise auf eine Latexallergie (etwa Juckreiz und Quaddeln beim Tragen von Gummihandschuhen, beim Benutzen von Kondomen oder Aufblasen von Luftballons; unklare Zwischenfälle bei invasiven Untersuchungen oder Operationen) beachtet werden.
Therapiemöglichkeiten
Die einzige kausale Therapie der Latexallergie ist die Allergenkarenz. Patienten mit Kontakturtikaria-Syndrom sollten den direkten Kontakt mit latexhaltigen Produkten meiden, etwa medizinisches Personal durch das Tragen latexfreier anstelle latexhaltiger Handschuhe. Es stehen mehrere latexfreie Produkte zur Verfügung, etwa der ohne Verwendung von Naturlatex synthetisch hergestellte OP-Handschuh Peha-taft syntex von HARTMANN. Patienten mit inhalativer Latexallergie können die in der Raumluft verbreiteten, auslösenden Allergene jedoch nur in einem latexfreien Milieu meiden. Hierzu sind in vielen Fällen ein innerbetrieblicher Arbeitswechsel oder eine Umschulung notwendig.
Um die Rate von neuen Sensibilisierungen zu verringern, sollten Personen, die zu den Risikogruppen zählen (etwa die Atopiker unter Ärzten und Pflegepersonal), Hautschutzmaßnahmen konsequent durchführen.
Wesentlich ist auch, Patienten mit Disposition zur Latexallergie durch eine gezielte Anamnese zu identifizieren – insbesondere vor Latexkontakt durch medizinische Eingriffe – um unerwartete anaphylaktische Reaktionen zu vermeiden.
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