Der phasengerechte Einsatz hydroaktiver Wundauflagen
Nachdem die Ursache für die chronische Wundedifferentialdiagnostisch abgeklärt und eine entsprechende Kausaltherapieeingeleitet worden ist, kann mit der Behandlung der Wunde begonnen werden. Bewährt hat sich in der klinischen Praxis der phasenadaptierte Einsatz hydroaktiver Wundauflagen. Der Therapeut muss jedoch nicht nur die Phase, in der sich der Wundheilungsprozess befindet, bei der Auswahl einer geeigneten Wundauflage beachten. Auch lokale Störfaktoren wie Infektionen, Nekrosen, Beläge, Mazerationen etc. spielen eine wichtige Rolle.
In der Reinigungsphase müssen Beläge und Nekrosen entfernt werden.
Damit eine chronische Wunde heilen kann, müssen avitales, nekrotisches Gewebe sowie schmierige Beläge entfernt werden. Für das Debridement stehen verschiedene konservative und operative Verfahren zur Verfügung.
Neben den verschiedenen Debridementverfahren sollten in der Reinigungsphase Wundverbände eingesetzt werden, die auf der einen Seite sehr saugfähig sind, aber trotzdem die Wunde feucht halten. Ein Sekretstau kann eine Wundinfektion begünstigen. Zudem sollten Mazerationen vermieden werden.
Geeignete Wundauflagen in der Reinigungsphase:
Schaumverbände (z.B. PermaFoam)
Kalziumalginate (z.B. Sorbalgon)
Wundauflagen für die Nasstherapie (TenderWet)
Bei infizierten oder infektionsgefährdeten Wunden kann es sinnvoll sein, zusätzlich zu hydroaktiven Verbänden silberhaltige Wundauflagen (z.B. Atrauman Ag) einzusetzen.
Granulationsphase
In der Granulationsphase muss der Verband die Wunde vor dem Austrocknen schützen.
Wichtigstes Ziel der Wundversorgung in der Granulationsphase ist, das wachsende Gewebe durch permanentes Feuchthalten vor dem Austrocknen zu schützen. Denn trocknet die Wunde aus, sterben Zellen ab und die Wundheilung wird empfindlich zurückgeworfen. Gleichzeitig muss überschüssiges Wundexsudat gebunden werden, um Mazerationen an den Wundrändern vorzubeugen. Ist die Wunde eher trocken, empfiehlt es sich, sie mit Hydrogelen zu befeuchten. Bei stark exsudierenden Wunden sollten Verbände mit hoher Saugkapazität wie Alginate oder Schaumverbände eingesetzt werden. Das sehr empfindliche Granulationsgewebe sollte außerdem vor Traumatisierung geschützt werden. Bei optimalen Wundheilungsbedingungen kommt es meist rasch zur Wundkontraktion und Bildung von Epithelgewebe.
Geeignete Wundauflagen in der Granulationsphase:
Schaumverbände (z.B. PermaFoam)
Hydrokolloide (z.B. Hydrocoll)
Hydrogele (z.B. Hydrosorb)
Kalziumalginate (z.B. Sorbalgon)
Wundauflagen für die Nasstherapie (TenderWet)
Epithelisierungsphase
In der Epithelisierungsphase steht der Schutz der heilenden Wunde im Vordergrund.
Der letzte und entscheidende Schritt bei der Wundheilung ist die Reepithelisierung. Ähnlich wie ein gut ausgebildetes Granulationsgewebe benötigt auch das wachsende Epithelgewebe für die Migration von Epithelzellen feuchte und warme Bedingungen. Die Wunde sollte aber auch vor mechanischen Einwirkungen von außen sowie einem möglichen Zellstripping beim Verbandwechsel geschützt werden.
Geeignete Wundauflagen in der Epithelisierungsphase:
Wie häufig ein Wundverband gewechselt werden muss, ist bei jeder Wunde individuell verschieden. Die Häufigkeit eines Verbandwechsels richtet sich nach dem Zustand der Wunde sowie der Auswahl der Wundauflage. Ist die Wundauflage mit Sekret und Detritus durchtränkt, sollte sie gewechselt werden. In der Reinigungsphase ist daher häufiger ein Verbandwechsel nötig als in der Granulations- oder Epithelisierungsphase. Obwohl der Einsatz einer hydroaktiven Wundauflage einen wichtigen Beitrag zur Wundheilung liefert, ist sie nur ein - wenn auch wichtiger - Teil der Therapie. Sie ersetzt nicht eine gute Pflege des Kranken, der ganzheitlich behandelt werden muss.