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Früher MRSA-Schnelltest schützt nicht vor nosokomialen Infektionen

Experten raten zu einem MRSA (methicillin-resistant Staphylococcus aureus)-Screening, das bereits vor der Aufnahme stationärer Patienten MRSA-Träger identifiziert. Dadurch könnten frühzeitig Hygiene- und Kontrollmaßnahmen ergriffen werden, um eine Übertragung auf andere Patienten zu verhindern. Einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universität Genf zufolge (JAMA 2008, 299 (10): 1149-1157) führte ein solches Screening wider Erwarten nicht zu einer Reduktion an nosokomialen Infektionen.

Präventive Maßnahmen reduzieren nosokomiale Infektionen

Die Wissenschaftler wählten innerhalb der Genfer Universitätskliniken zwölf Stationen mit verschiedenen chirurgischen Fachrichtungen aus, wobei jede Station über neun Monate entweder der Studien- oder der Kontrollgruppe zugeordnet wurde. Anschließend wechselten die Stationen für weitere neun Monate ihre Gruppenzugehörigkeit. Insgesamt wurden mehr als 20000 chirurgisch zu versorgende Patienten in die Studie eingeschlossen. Bei der einen Hälfte der Patienten (Kontrollgruppe) wurden herkömmliche Maßnahmen zur Infektionskontrolle angewendet, während die andere Hälfte bei der stationären Aufnahme zusätzlich mit einem schnellen DNA-Test auf das Vorhandensein von MRSA getestet wurde. Nach Abschluss der Studie ließ sich jedoch kein Unterschied zwischen Kontroll- und Studiengruppe im Auftreten nosokomialer Infektionen feststellen. So entwickelten beispielsweise 53 von den 93 infizierten Patienten aus der Studiengruppe, die  bei der stationären Aufnahme noch  MRSA-negativ waren, erst während des Krankenhaus-Aufenthaltes eine Infektion.

Eine Ursache sehen die Forscher darin, dass vom Zeitpunkt des Testergebnisses bis zur Operation zu wenig Zeit bleibt um geeignete Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Sie empfehlen deshalb diesen Test auf Patienten zu beschränken, die sich einem elektiven chirurgischen Eingriff mit hohem Risiko auf eine nosokomiale Infektion unterziehen Bei solchen geplanten Eingriffen bleibt genügend Zeit um geeignete Präventivmaßnahmen durchzuführen.

Andere Wissenschaftler warnen jedoch davor Kontrollmaßnahmen auf die 8 % der durch MRSA erworbenen nosokomialen Infektionen zu beschränken und dabei das Infektionsrisiko durch andere Krankheitserreger zu vernachlässigen (JAMA 2008, 299 (10): 1190-1192). Maßnahmen, die alle Patienten vor Infektionen gleich welcher Art schützen beinhalten umfangreiche Handhygiene-Programme, Maßnahmen zur Reduktion von katheterassoziierten Blutstrominfektionen, und von Infektionen bei chirurgischen Eingriffen.  Diese  Praktiken sind einfach und kosteneffektiv und haben den Vorteil das Auftreten aller nosokomialen, inklusive MRSA-Infektionen zu reduzieren.