HARTMANN in Österreich
Wundmanagement > Wissenswertes > Neu entdecktes Protein weckt Hoffnung auf geringeres Amputationsrisiko

Neu entdecktes Protein weckt Hoffnung auf geringeres Amputationsrisiko

Die Entdeckung britischer Forscher an der Universität von Bristol könnte neue Therapiemöglichkeiten zur Prävention von Beinamputationen bei Diabetikern eröffnen (Caporali, A. et al. (2008) Circulation Research 103 (2): 15-26).

Eine Diabeteserkrankung geht häufig mit ernsthaften Komplikationen wie beispielsweise einem diabetischen Fuß einher. Allein in Deutschland ist jeder Vierte der über 4 Mio erkrankten Menschen als Risikopatient für die Entstehung eines diabetischen Fußes anzusehen (Quelle: www.ot-forum.de). Ursache ist ein Verschluss der Gefäße, der eine verminderte Sauerstoffversorgung und Heilungskapazität der betroffenen Areale zur Folge hat. Aus physikalischen Gründen sind Beine und Füße am häufigsten betroffen. Nachdem das schlecht durchblutete Gewebe nicht in der Lage ist, neue Gefäße zu bilden, bleibt die Heilung aus und damit eine Amputation oft die einzige Option.

Britische Forscher um C. Emanueli entdeckten ein Protein, p57NTR, das maßgeblich an der schlechten Geweberegeneration bei Diabetes-Patienten beteiligt ist. Die Erkrankung verursacht die vermehrte Bildung an p57NTR in den Blutgefäßzellen und verhindert dadurch die Gefäßneubildung und Regeneration des durch Sauerstoffmangel geschädigten Gewebes. Beim gesunden Menschen hingegen ist das Protein nur in sehr geringen Mengen vorhanden, so dass unmittelbar nach einer Gewebeschädigung neue Blutgefäße gebildet und die Heilung des zerstörten Gewebes eingeleitet werden kann.

Um die schädliche Wirkung des Proteins zu beweisen, brachte die Arbeitsgruppe das Protein p57NTR in gesundes, sauerstoffunterversorgtes Gewebe ein und erzeugte dadurch eine verzögerte Heilung, ähnlich wie sie bei Diabetikern beobachtet wird. Einen weiteren Beweis erbrachte ein Tierversuch an diabetischen Mäusen. Dort blockierten die Forscher das vorhandene Protein und trotz der künstlich erzeugten Sauerstoffunterversorgung erholte sich das Gewebe und wurde wieder ausreichend mit Blut versorgt.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Ausschalten des einzelnen Proteins trotz der schlechten Durchblutungssituation zu einer verbesserten Geweberegeneration führt. Erst müssen jedoch die Erkenntnisse aus den Laborversuchen am Menschen bestätigt werden, ehe – nach Meinung der Arbeitsgruppe -  die Entdeckung des Proteins neue Wege in der Therapie der diabetesbedingten Gefäßeerkrankungen ebnen wird.