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Ulcus cruris venosum

Das Ulcus cruris venosum ist das am häufigsten vorkommende Beingeschwür. Es ist Folge einer chronischen Veneninsuffizienz (CVI), ausgelöst z. B. durch Klappeninsuffizienz bei Varizen oder postthrombotische Venenverschlüsse.

Das Beinvenensystem bildet zusammen mit Muskeln und Gelenken eine sinnvolle Funktionseinheit, um das venöse Blut zum Herzen zurück zu transportieren. Sind nun die Venen durch die Auswirkungen der chronisch venösen Insuffizienz geschädigt , können sie das Blut nicht mehr ordnungsgemäß zum Herzen zurücktransportieren. Es kommt sukzessive zum anhaltenden Blutrückstau. Das Hautgewebe „versumpft“ zunehmend, zuallererst im Knöchelbereich, bis im schwersten Fall durch die Ernährungsstörung ein Geschwür aufbricht. Ein Ulcus cruris venosum ist entstanden.
Die Diagnostik des Ulcus cruris venosum umfasst eine gründliche Anamnese, die klinische und apparative Untersuchung mit Erhebung des venösen und arteriellen Status sowie differenzialdiagnostischer Maßnahmen zum Ausschluss nicht venöser Entstehungsfaktoren.

Das Ulcus cruris venosum ist eine chronische Wunde mit schlechter Heilungstendenz. Aufgrund der Entstehungsursache kann das Ulcus cruris venosum erst abheilen, wenn der venöse Blutabfluss wieder einen kompensierten Zustand erreicht hat und das mit der Abflussstörung einhergehende Ödem abgeklungen ist. Diese Therapieziele können im Wesentlichen durch die Kompressionsbehandlung und ggf. durch invasive Therapieverfahren wie z. B. Verödungsbehandlung oder Phlebochirurgie erreicht werden.

Die lokale Therapie des Ulcus cruris venosum stützt sich auf eine sachgerechte Wundbehandlung, die sich sinnvollerweise an den einzelnen Wundheilungsphasen orientiert. Nach Möglichkeit sind bei der Behandlung des Ulcus cruris venosum auch alle Faktoren auszuschalten, die sich allgemein wundheilungsstörend auswirken, so z. B. Infektionen, Einflüsse von Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen anderer Therapien oder negative psychosoziale Faktoren.

Die sachgerechte Wundbehandlung des Ulcus cruris venosum umfasst phasengerecht eine gründliche Reinigung sowie die Konditionierung der Wunde und Förderung der Epithelisierung. Wenn es die medizinische Situation beim Patienten erlaubt, sollte dabei durch ein chirurgisches Débridement eine möglichst komplette Abtragung nekrotischen und unzureichend durchbluteten Gewebes angestrebt werden. Ist ein chirurgisches Débridement nicht praktizierbar, erfolgt die Reinigung des Ulcus cruris venosum durch eine feuchte Wundbehandlung mithilfe hydroaktiver Wundauflagen, die zur Konditionierung des Wundbettes bis zur vollständigen Epithelisierung fortgesetzt wird. Unerläßlich ist außerdem eine kontinuierlich begleitende Kompressionsbehandlung zur Ödemausschwemmung und Verbesserung der venösen Rückstromes.