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Die moderne Versorgung chronischer Wunden in Deutschland – Ergebnisse einer Umfrage

Nach wie vor werden 40 % der Patienten mit chronischen Wunden nicht mit feuchten/modernen Wundversorgungsprodukten behandelt, obwohl nahezu 90 % der Ärzte diese bevorzugt einsetzen würden. So lautet das Ergebnis einer landesweiten Meinungsumfrage, zur Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden. Die Ursache liegt den befragten Ärzten zufolge in den Einschränkungen durch das Gesundheitssystem begründet.

Die Versorgung mit modernen Wundauflagen ist unzureichend.

In Deutschland liegt die Zahl der Patienten mit chronischen Wunden nach Schätzungen bei  2,5 - 4 Mio. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist eine drastische Zunahme zu erwarten. Chronische Wunden stellen deshalb nicht nur ein ernsthaftes medizinisches, sondern auch ein ökonomisches Problem dar.

Die moderne Versorgung chronischer Wunden basiert auf der Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus und versucht so, den natürlichen Wundheilungsprozess zu unterstützen. Eine Vielzahl von Produkten wurde entwickelt, um den individuellen Bedürfnissen und den Wundheilungsphasen gerecht werden, z. B. Alginate, Hydrokolloide, Hydrogele, Schaumverbände, Hydropolymere, silberhaltige Wundauflagen und biologisch-aktive Wundverbände. Trotz höherer Stückkosten gegenüber traditionellen Verbänden kann der Einsatz dieser Wundversorgungsprodukte die Gesamttherapiekosten um 45 % oder mehr senken. Bereits innerhalb einer Woche können Einsparungen von einem Drittel nur bei den Materialkosten entstehen. Hinzu kommen die Einsparungen bei den Personalkosten durch weniger Verbandwechsel. Die Vorteile für den Patienten sind eine Verkürzung der Behandlungsdauer, eine Verbesserung der Mobilität und der Lebensqualität sowie eine Beschleunigung der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben.

Trotzdem wird die moderne Wundbehandlung in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bisher relativ wenig praktiziert, wie aus einer Meinungsumfrage, die das Institut für Gesundheits-System-Forschung im Herbst 2006 im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V. durchgeführt hatte, hervorgeht (Golbach, Ute: Institut für Gesundheitssystemforschung GmbH, Kiel, 2007, Schriftenreihe Band II).  Obwohl die befragten Ärzte selbst moderne Wundversorgungsprodukte einsetzen, schätzen nur etwa 16 % die Versorgungsqualität in Deutschland als gut oder sehr gut ein. Als Hauptursachen für die mangelnde Versorgung mit modernen Wundauflagen nannten 83 % der befragten Ärzte das beschränkte Arznei- und Verbandmittelbudget, 49 % eine unzureichende Abbildung im EBM, 43 % die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und 33 % eine Ablehnung durch die Krankenkassen. Hier müssten nach Meinung der Befragten Maßnahmen ergriffen werden, um eine flächendeckende, bedarfsgerechte Wundversorgung zu gewährleisten.