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Wundheilungsphasen

Unabhängig von der Art der Wunde und vom Ausmaß des Gewebeverlustes verläuft jede Wundheilung in Phasen, die sich zeitlich überlappen und nicht voneinander zu trennen sind. Gibt es in einer Wundheilungsphase eine Störung, z. B. durch eine Wundinfektion, dann sind auch die nachfolgenden Heilungsprozesse gestört.

Die Wundheilung lässt sich sinnvollerweise in drei Phasen unterscheiden. Jede dieser Wundheilungsphasen ist durch spezifische zelluläre Aktivitäten charakterisiert ist, die den Reparationsprozess in einer bestimmten, ineinander übergreifenden Zeitabfolge Schritt für Schritt vorantreiben.

Inflammatorische bzw. exsudative Wundheilungsphase zur Blutstillung und Wundreinigung, kurz Reinigungsphase:
Die ersten Reaktionen auf eine Hautverletzung bestehen in der Blutstillung und Gerinnung durch Blutplättchen (Thrombozyten), Erythrozyten und Bestandteile des Gerinnungssystems. Dann wandern Leukozyten in das Wundgebiet ein, um vorrangig durch Phagozytose eingedrungene Bakterien und zerstörte Zellen (Detritus) zu beseitigen. Entsprechend ihrer Funktion werden sie auch als Phagozyten (Fresszellen) bezeichnet. Die ersten Leukozyten am Ort des Geschehens sind die sog. neutrophilen Granulozyten, gefolgt von den Makrophagen. Angelockt werden all diese Zellen durch signalartig wirkende Substanzen wie Zytokine und Wachstumsfaktoren, die bei der Blutgerinnung entstanden sind.

Proliferative Wundheilungsphase zum Aufbau von Granulationsgewebe, kurz Granulationsphase:
Ist die Wunde gereinigt, muss der Defekt mit Ersatzgewebe aufgefüllt werden. Der erste Schritt dazu, etwa am 4. Tag nach der Wundentstehung, ist bei einer physiologischen Wundheilung die Einsprossung feinster Blutgefäße (Kapillaren) in das Wundgebiet zur Sicherstellung der Ernährung. In zeitlicher Abhängigkeit dazu entwickelt sich dann das Granulationsgewebe, dessen Aufbau maßgeblich von Bindegewebszellen, den sog. Fibroblasten, unterstützt wird: Sie produzieren eine Vorstufe von Kollagen, das außerhalb der Zellen unter dem Einfluss verschiedener biochemisch wirksamer Substanzen wie z. B. Vitamin C zu festen Kollagenfasern ausreift. Die Fibroblasten stammen aus dem umliegenden Gewebe und werden ebenfalls durch Signalsubstanzen angelockt.

Differenzierungsphase zur Ausreifung, Narbenbildung und Epithelisierung, kurz Epithelisierungsphase:
Etwa zwischen dem 6. Und 10. Tag der physiologischen Wundheilung beginnt die Ausreifung der kollagenen Fasern. Die Wunde zieht sich zusammen, kontrahiert, das Granulationsgewebe wird zunehmend wasser- und gefäßärmer, festigt sich und bildet sich zu Narbengewebe um. Die Epithelisierung bringt dann die Wundheilung zum Abschluss: Die zur Teilung (Mitose) befähigten Zellen der Epidermis, die sog. Keratinozyten, vermehren sich und beginnen, meist vom Wundrand her, mit der Überhäutung der Granulationsfläche. Als Gleitfläche benötigen sie dazu eine gut ausgebildete, feuchte Granulation. An das erste Vorwachsen schließt sich durch Übereinanderschieben der Zellen eine Verdickung des Epithels an, sodass es widerstandsfähiger wird. Die Wunde ist geschlossen.